Flutlicht für die Vogelgrippe 10.03.2007

 
 
 
Nacht war es, das Licht schien helle auf die Helfer des Solinger THW, die am Abend des 9. März ausgerückt waren, um im Tal der Wupper bei Solingen-Glüder einen Teil ihrer Basisausbildung II (Fachausbildung) zu absolvieren.

Eigentlich war nur ein normaler Dienstsamstag für die Beleuchtungsgruppe geplant. Insider wissen aber, dass Beleuchtungsübungen am helllichten Tag sehr langweilig und wenig lehrreich sind, somit nicht den erwünschten Lernerfolg zeitigen. Schon bei den ersten Überlegungen zu dieser Ausbildungsveranstaltung lag also nichts näher als eine Nachtübung. Licht zu produzieren, dass ungenutzt bleibt, trägt allerdings ebenso wenig zur Motivation der Helfer bei. Da just jetzt die Zugvögel wieder aus südlichen Regionen zurückkehren, wurde der "Hausaufgabe" Beleuchtung ein Szenario zur Seuchenbekämpfung hinzugefügt und das Ganze mit einigen weiteren Leckerbissen aus dem Hilfeleistungskatalog garniert. Die THW-Kräfte erhielten deshalb den fiktiven Auftrag, eine Dekontaminationsstelle zur Reinigung von Lkw und Pkw sowie einen Bereitstellungsraum mitsamt kompletter Infrastruktur einzurichten und zu unterhalten. In diesem Bereitstellungsraum wurden einsatzrealistisch Helfer und Geräte vorsorglich für einen unmittelbar bevorstehenden Einsatz gesammelt, gegliedert und bereitgestellt. Diese Aufgabenstellung machte es "natürlich" zwingend erforderlich, das Gelände mit Strom zu versorgen und bei Dunkelheit auszuleuchten, eine Wasserversorgung zu installieren und zu betreiben und flankierend eine Logistik für Verpflegung und Materialversorgung einzurichten.

Die Anlage zur Dekontamination (Entgiftung) der Kraftfahrzeuge bauten die Solinger Bergungsgruppen gemeinsam mit ihren Velberter Kameraden auf einem Parkplatz am Balkhauser Weg auf. Hier wurde auch der zentrale Bereitstellungsraum angesiedelt und der Verpflegungstrupp untergebracht, der die Einsatzkräfte während der kalten Nachtstunden mit warmen Speisen und Getränken versorgte.

In dem weitläufigen Gelände entlang der Wupper stellten die Helfer der Fachgruppe Beleuchtung an insgesamt drei Übungsplätzen die Stromversorgung und Ausleuchtung der Einsatzszenarien sicher. Hierzu nutzten sie das gesamte beleuchtungstechnische Gerätespektrum des THW: Kleine Übungsstellen wurden mit tragbaren Stromerzeugern und Einzelleuchten auf Stativen versorgt, für gute Sicht auf dem Parkplatz sowie in dessen Umgebung sorgten zwei Lkw-Anhänger mit 20- bzw. 40-kvA-Generatoren und Teleskop-Lichtmasten.

Das Brauchwasser für die Dekontaminationsanlage und den Bereitstellungsraum förderte die Fachgruppe Wasserschaden / Pumpen aus der Wupper. Dabei kam neben Tauchpumpen auch der ganze Stolz der Fachgruppe zum Einsatz; die Superpumpe "Hannibal". Mit einer Fördermenge von bis zu 600.000 Liter Wasser stündlich bei einer Motorleistung von 55 kW (75 PS) ist sie in der Lage, eine Badeanstalt in zwei Stunden trocken zu legen. Zusätzlich wurde eine Pumpenstrecke errichtet, um Wasser über eine große Entfernung zu leiten.

Die Übung war nicht nur hinsichtlich der Vorbereitung und der eingesetzten Technik, sondern auch im Hinblick auf die Personalstärke sehr aufwändig; insgesamt kamen 58 Hilfskräfte zum Einsatz: Das Technische Hilfswerk Solingen stellte einen Technischen Zug mit Zugtrupp, 1. und 2. Bergungsgruppe, den Fachgruppen Wasserschaden / Pumpen und Beleuchtung, den Versorgungstrupp und die Gruppe "Basisausbildung I" (Grundausbildung); auch die Jugendgruppe des Ortsverbandes fehlte nicht. Den THW-Ortsverband Velbert vertrat dessen 1. Bergungsgruppe.

Ihrem Umfang entsprechend fand die Veranstaltung das Interesse von Besuchern. So begutachtete Herr Schwarz als Vertreter des THW Geschäftsführerbereiches Düsseldorf den Leistungsstand der Einheiten.

Die vielfältigen Übungsgelegenheiten und die abwechslungsreiche Gestaltung zeigte den Helfern des Ortsverbandes ihr derzeitiges Leistungsvermögen auf. Die nasse und kalte Witterung verdarb den Helfern nicht die Motivation, denn die Verpflegungsgruppe versorgte sie mit einer warmen, wohlschmeckenden Mahlzeit und heißen Getränken. In besonderem Maße ausgezeichnet haben sich die Fachgruppen Beleuchtung und Wasserschaden / Pumpen: Durch ihre Schnelligkeit, Flexibilität und Routine bewiesen sie eine hohe Leistungsdichte. Mit ausgeprägtem Eifer und einer guten Auffassungsgabe zeichneten sich die Jungehelfer ebenfalls aus.

Der Erfolg der Veranstaltung ließ vergessen, dass kurz vor Beginn eine behördliche Genehmigung versagt wurde, um das zunächst ins Auge gefassten Areals in der Nähe der Müngstener Brücke zu nutzen. Die vorgesehenen Übungselemente waren mit den angrenzenden Flora-Fauna-Habitat- und Naturschutzflächen nicht vereinbar. (Ein Flora-Fauna-Habitat stellt die höchste europäische Naturschutzstufe dar.) Hilfe in der Not erhielt das THW von einem Solinger Bürger, der sein privates Ufergelände zur Verfügung stellte. Ohne ihn wäre die Übung wohl "über die Wupper" gegangen.


Fotos: Helmut Wenzel
Text: Jörg Puslat
 
 
 

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